Aktualisierungskurse mit 100 % E-Learning - ein Modellprojekt mit wissenschaftlicher Studie

Derzeit erfolgt ein Modellprojekt zur Aktualisierung der Strahlenschutzqualifizierungen in der Medizin mit 100 % E-Learning. Genehmigt durch das Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz und die Bayerischen Landesärztekammer sind die Teilnahmenachweise bundesweit gültig. Das Projekt wird wissenschaftlich mit Unterstützung der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Ulm (Prof. Dr. Meinrad Beer) und der Professur für Bildungstechnolgie der TU Dresden (Prof. Dr. Thomas Köhler) evaluiert. Ziel des Projekts ist es, Teilnehmer das E-Learning von Strahlenschutzkursen für unterschiedliche Zielgruppen u.a. im Hinblick auf die Bedeutung der angewandten Methoden bewerten zu lassen.

Die Covid19-bedingten Einschränkungen in der Lehre führen aktuell dazu, dass keine Präsenzveranstaltungen stattfinden können. Ein Problemansatz ist das Aussetzen von Qualifikationsanforderungen, der andere ist der Einsatz von Fernunterricht.

Werden Schulungen ausgesetzt, so der pragmatische Gedanke, werden auch Personalressourcen geschont: Bei knapperen Personal- und Zeitressourcen soll medizinisches Personal nicht unnötig gebunden werden. Eine verständliche, aber ggf. problematische Sichtweise, wenn nicht bekannt ist, wie lange der gesamte Shutdown bzw. etwaige Einzelbeschränkungen anhalten sollen und wie das "personelle Outcome" der Krankenhäuser nach der Krise ist. Deshalb sollten auch andere Alternativen diskutiert werden, zumal nicht alle Qualifizierungsmaßnahmen ausgesetzt werden können; zum einen aus Strahlenschutzgründen, zum anderen weil Facharztprüfungen z. T. von der Fachkunde abhängig sind.

Beim Einsatz von Fernunterricht soll nach Ansicht verschiedener Stellen weiterhin gelten: Mehr als 50 % E-Learning sind nicht erlaubt - und da Webinar nach ihrer Ansicht vom Wesen her dem Präsenzunterricht noch am nächsten käme, soll konsequenterweise Präsenzunterricht nur durch Webinar ersetzt werden können.
Der unbedingte Einsatz von Webinaren hat jedoch zwei Nachteile:
Schon bei reinem Präsenzunterricht stellt sich die Frage, wie nachhaltig das Lernen bei Vorträgen ist. Sollte die Unterrichtsform des Frontalvortrags beibehalten werden, so ändert sich nichts.
Hinzu kommt: Ohne ein Überdenken der Rahmenbedingungen für Strahlenschutzkurse bleibt die strikte zeitliche Bindung erhalten. Selbst mit 50 % E-Learning bleiben bspw. beim Grundkurs 12 Unterrichtsstunden, die im Webinar erbracht werden müssen und den Teilnehmern entsprechende zusammenhängende Zeiten abverlangen, denn auch Webinar bedeutet: Unterricht zu einem festgelegten Termin, über eine festgelegte Zeitspanne.

Wünschenswert wäre eine stärkere Individualisierung und damit einhergehende Flexibilisierung des Lernens. So könnten freie Valenzen gerade dann genutzt werden, wenn sie zur Verfügung stehen. Mit mehr E-Learning ist das möglich – und wo reines E-Learning nicht ratsam ist, ist zumindest Webinarzeit von initialer Wissensvermittlung zu trennen und auf Rückfragen zu fokussieren, womit die Webinarzeit deutlich verkürzt werden kann.

Für die Aktualisierung der Kenntnisse und Fachkunden im Strahlenschutz hat das Land Bayern Kursen mit 100 % E-Learing zugestimmt, Da die Bundesländer gegenseitig die Teilnehmernachweise genehmigter Kurse anerkennen, gelten diese bundesweit. Mit den Kursen ist die Studie "Teilnehmerbewertung von e-Learning und der angewandten Methoden bei Strahlenschutz-Aktualisierungskursen in der Medizin“ verbunden, die sich u. a. mit Fragen der Vorerfahrung mit Strahlenschutzkursen, der Selbstorganisation beim Lernen und der Bedeutung unterschiedlicher Methoden für das Lernen beschäftigt. Die Initiatoren hoffen, so hilfreiche Erkenntnisse zu gewinnen, die auch nach der Corona-Krise dazu beitragen können, Qualifizierungen strukturell zu optimieren und so die Ressourcen im Gesundheitswesen adäquat einzusetzen.

Die Anmeldung zu den verschiedenen Aktualisierungskursen mit 100 % E-Learning erfolgt über den Kurskalender.